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Ziele und Methoden von ABA/AVT

Was sind die Ziele? Welche Methoden sind Evidenz-basiert?

Was ist Verhaltenstherapie (VT)?
Während der Begriff der Verhaltensmodifikation mehr als 100 Jahre alt ist, sind die Prinzipien, dass Menschen durch positive und negative Konsequenzen lernen, vermutlich so alt wie die Menschheit. Es war immer schon selbstverständlich, dass Kinder lernen mussten, sauber zu werden, ihre Wünsche zu äußern und mit anderen angemessen zu interagieren. Auch sollten sie lesen, schreiben, rechnen und arbeiten lernen, wobei Sternchen, gute Noten und später ein Gehalt ein Anreiz für gute Leistung waren. Auch heute freuen sich die meisten Erwachsenen über Lob, vermeiden Tadel, Strafzettel oder Punkte für Verkehrsdelikte und verstärken sich selbst mit Kaffee, Tee, gutem Essen oder Musik. All diesem Verhalten im Alltag liegen Lerngesetze wie operante Konditionierung, Modelllernen oder Shaping zugrunde, die ebenfalls Komponenten sind für ABA-Programme.

Was ist die "Lovaas-Therapie"?
Bis Mitte der 1960er Jahre galt Autismus als emotionale Störung, für die es keine Hilfe gab außer Psychopharmaka oder Psychotherapie. Leider erwiesen sich die eingesetzten Medikamente als schädlich und die psychoanalytischen Erklärungen des damals führenden Spezialisten Bettelheims als Scharlatanerie. So endeten die meisten Betroffenen ohne Entwicklungschancen in desolaten Heimen. Der norwegische Psychologe Ivar Lovaas änderte dieses Schicksal durch die Idee, die Methoden einzusetzen, die Helen Keller von einem sprachlosen, isolierten taubblinden Kind zu einer weltberühmten Rednerin und Aktivistin für taubblinde Menschen gemacht hatten (ausführlicher zur Geschichte, s. Rimland, 1993). Er zeigte an der University of California Los Angeles dass 47 % der jungen Kinder mit ASS durch ein wöchentlich 40-stündiges Verhaltenstraining und Förderung nach Methoden des Diskreten Lernformats eine normale Entwicklungsstufe erreichten und erfolgreich in Regelklassen unterrichtet werden konnten (Lovaas, 1987). Hiermit war ABA geboren und eine Entwicklung gestartet, die für viele Kinder und Eltern einer Revolution gleich kam.

Was ist ABA?
ABA (= Applied Behavior Analysis) ist eine wissenschaftlich fundierte Methode, bei der Lerngesetze angewandt werden, um eine positive Verhaltensänderung zu bewirken. Hierbei kann es sich um die Verminderung von Verhaltensproblemen oder den Aufbau von neuen Fähigkeiten handeln. Vergleichbar zur Frage, ob eine Diät sich positiv auf das Gewicht einer Person auswirkt, sollte die Wirksamkeit von ABA durch Daten erfassbar, also "überprüfbar" sein.

Zunächst lag die Betonung auf wiederholten Übungsdurchgängen mit einfachen, eindeutigen Anweisungen und kontingenter (also unmittelbar auf das Zielverhalten einsetzender) Verstärkung. Diese stellten die Basis des sog. Diskreten Lernens dar. Beim Diskreten Lernen werden Aufgaben in kleine Lernschritte unterteilt und eindeutige Aufgabenstellungen und klare Anweisungen gegeben, wie "mach so/mach so wie ich" (für Imitationsaufgaben), "zeig/gib" (für Aufgaben zum Sprachverständnis) oder auch "was ist das/möchtest Du?" (für Sprachausdruck). Richtige Reaktionen des Kindes werden sozial und oft materiell verstärkt. Lovaas betonte bereits die zentrale Rolle von Verstärkung: Kinder mit ASD müssen motiviert werden, um Sprache zu entwickeln, und diese muss früh und systematisch aufgebaut werden.

In den vergangenen fünfzig Jahren hat sich ABA deutlich weiterentwickelt und anfängliche Vorurteile gelten mittlerweile als überholt. Je nach Alter des Betroffenen sowie dem Schweregrad der Behinderung wird mittlerweile eine Vielzahl von ABA-Strategien eingesetzt, wie das natürliche Lernparadigma (Natural Language Paradigm bzw Pivotal Response Training), Verbal Behavior, Videomodellierung oder Präzisionslernen (ausführlicher s. Bernard-Opitz, Nikopoulos, im Druck in unserer neuen Serie Autismus Konkret, Kohlhammer-Verlag).

Wie unterscheidet sich ABA von AVT?
Gemeinsam mit Kollegen haben wir den deutschen Begriff Autismusspezifische Verhaltenstherapie (AVT) eingeführt, der therapeutische Aspekte – im Vergleich zu den analytischen Aspekten der ABA – betont und visuelle Hilfen eine besondere Rolle einräumt (Bernard-Opitz, 2009). Damit wird an die langjährige Tradition verhaltenstherapeutischer Interventionen angeknüpft, bei der Gedanken, Gefühle und der Entwicklungsstand des Betroffenen vergleichbar berücksichtigt werden wie das äußere Verhalten und die jeweilige Umgebung. Daneben soll auch mit diesem Begriff die verbreitete und missverständliche Reduktion von ABA auf das traditionelle Frühförderprogramm von Lovaas verhindert werden (Steege et al., 2007) sowie nachweisbar wirksame visuelle Hilfen mit einbezogen werden (Bernard-Opitz & Häussler, 2010). Während hier zunächst meist schwer behinderte, oft nicht-verbale Kinder mit ASD nach einfachen Prinzipien des Konditionierens lernten, haben sich die Ansprüche an lerntheoretisch fundierte Methoden sehr erweitert, besonders durch Fokussierung auf Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einem höheren Entwicklungsniveau und guten Sprachfähigkeiten (bis vor kurzem "Asperger") genannt Bei ihnen stehen neben offensichtlichen Verhaltensauffälligen oft Probleme mit einer geringen Stresstoleranz, Ängsten, Depressionen oder dem Selbstbild ("Warum bin ich so anders?") im Vordergrund (ausführlicher, s. Baker, im Druck in "Autismus Konkret", Kohlhammer-Verlag). Auch wenn die Begriffe ABA und AVT im Folgenden parallel gebraucht werden, betont AVT explizit kognitive, emotionale, entwicklungspsychologische und visuelle Methoden.

Auszug aus Bernard-Opitz, V. & Nikopoulos, Ch. Lernen mit ABA und AVT,
im Druck im Kohlhammer-Verlag, Stuttgart.


Praxis für Autismus & VerhaltensTherapie (AVT)


Dr. Vera Bernard-Opitz

Dr. Vera Bernard-Opitz

hat sich auf die verhaltenstherapeutische Behandlung von Patienten mit Autismus und anderen Entwicklungsstörungen spezialisiert. Sie hat psychologische Dienste in San Diego (Kalifornien), Mosbach (Deutschland) und Singapore geleitet, wobei sie Eltern und Professionelle in Frühfördereinrichtungen, Schulen, Reha- und Autismus-Zentren beraten hat.

In ihrer Praxis in Irvine (Kalifornien) und Hildesheim (Deutschland) bietet sie Beratung und Supervision für Eltern, Studenten und Professionelle in ABA und AVT (

Autismus-spezifische Verhaltenstherapie

) Methoden an. Diese werden in Form von persönlichen Sitzungen oder per Skype vermittelt. Bei Vorträgen und Workshops teilt sie Evidenz-basierte Behandlungen und praktische Erfahrungen mit einer breiten Zuhörerschaft.




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